Volkskunst, Folklore

Folklore ist das angesammelte Wissen des Volks, also alles was sich in Traditionen, Bräuchen, Volksdichtung, Volkstanz und Volksmusik widerspiegelt. Außerdem drückte sich in Handwerk und Volkskunst auch das gegenständliche Können der Leute aus.

Das Haiduckentum hat ein breites, folkloristisches Spektrum. Hier existieren miteinander parallel die kulturellen Erinnerungen des entwickelten, landstädtischen Bauern-Bürgertums und die Spuren der archaischen, naturnahen Lebensweise, die bei Hirten und den „Pákász”-en (die vom Jagen, Fischen und Sammeln von bestimmten Pflanzen in den Mooren lebten) erhalten blieb. Auch die Art und Weise der bäuerlichen Produktion wird von einer eigenartigen Zwiespältigkeit geprägt. Es gab gleichzeitig alte Verfahren und moderne Agrartechniken, es existierten zur gleichen Zeit intensive Landwirtschaftsmethoden und die raue Viehhaltung der Hortobágy-Puszta.

Die Stadt Debrecen liegt an diesem Schnittpunkt von volkskundlichen Landschaften. Die Produkte der hier ansässigen Handwerker waren sehr beliebt, und wurden zu charakteristischen Elementen der Volkskultur und Volkskunst der erweiterten Region. Die reiche gegenständliche Kultur der „Civis”, wie die Debrecener Bürger genannt wurden, wird im stadtgeschichtlichen Teil der ständigen Ausstellung des Déri Museums bewahrt.

In der Volkskultur der Haiduckenstädte um Debrecen gibt es viele Gemeinsamkeiten, aber sie ist trotz der gemeinsamen Geschichte nicht einheitlich – überall gibt es örtliche Eigenarten. In Hajdúböszörmény sind es die prachtvollen Bretterbauten; in Hajdúszoboszló der Brauch des „Kongózás” (Lärm machen) zu Silvester; Hajdúdorog unterscheidet sich durch seine griechisch-katholische Tradition von den protestantischen Orten; während die völkische Kultur von Balmazújváros durch die Bräuche der im 18. Jahrhundert hierher eingesiedelten Deutschen gefärbt wird.

Auch die Hortobágy-Puszta befindet sich auf dem Gebiet unseres Komitats. Neben der Neun-Giebel-Brücke wird die hier entstandene einheitliche Hirtenkultur durch das Hirtenmuseum und dem Kreisschuppen repräsentiert, und sie bewahren auch die Ziergegenstände der Hirten und sonstige Erinnerungen an die Hirtenkunst auf.

An die Hirtenkultur des Hortobágy knüpft sich auch der Hirtentanz, der Hirtenknüppler (pásztorbotoló) an, der aus dem ungarischen Soldatentanz des 16-17. Jahrhundert, dem sogenannten Haiduckentanz entstand, dessen musikalische Untermalung zuerst durch das Spiel der Pfeifer, Dudelsackpfeifer und Trommler versehen wurde, um später, als sich die Geige immer mehr verbreitete, durch die Zigeunermusik ersetzt zu werden. Die wahren Meister der Hirtenknüpplers waren die Rinderhirten, Schäfer und Schweinehirten, die meistens einen Stab oder Knüppel, einen Schäferstab oder Schweinehirtenstab benutzten.