Glaube und Religion

Kirchenleben in Debrecen und seiner Umgebung

A debreceni Nagytemplom, előtérben Szabó Lőrinc szobraDie erste Erwähnung Debrecens war im Protokoll des Várader Kapitels von 1235. Die Ortschaft gehörte also von Anfang an zum römisch-katholischen Bistum Várad. Die im 13. Jahrhundert erbaute gotische Kirche, die Heiliger Andreas Kirche, war die größte ihrer Art jenseits der Theiß. Das Gebäude wurde zweimal – zuerst 1564, dann 1802 – zum Opfer eines Feuers, und brannte komplett nieder. An seiner Stelle wurde die heutige, klassizistische Große Kirche errichtet, die letztendlich zum Symbol der Stadt wurde.

Im Religionsleben von Debrecen gab es in den 1530-er Jahren eine große Wende. Der damalige Gutsherr, der Enyinger Bálint Török bringt seinen Geistlichen Bálint aus Pápa hierher, der, wie es damals fast schon die Regel war, mit einem katholischen Priester namens Ambrosius debattierte. In der Hitze der Debatte brach der katholische Priester einen Lícium-zweig (Lícium: Lycium sp. lat.) ab, steckte ihn lachend in den Boden und meinte: „Aus dieser Religion wird erst etwas, wenn das hier zu einem Baum erwächst!” Und tatsächlich wurde ein Baum daraus, und die reformierte Kirche blühte am stärksten in Debrecen auf. Dieser Líciumbaum, der bis zum heutigen Tage an der Ecke der Múzeum Straße und dem Kalvin-Platz zu sehen ist, ist aber nur 250 Jahre alt, die Glaubensdebatten fanden aber vor 450 Jahren statt.

Die Stadt wurde zum Zentrum der Kalvinisten, nicht nur in der Umgebung, sondern auch für ganz Ungarn. Ein Reformator des 16. Jahrhunderts, Ferenc Dávid nannte in einer Debatte den Ort als erster „kalvinistisches Rom”.

A Debreceni Református KollégiumDie Schule der Stadt wirkt seit 1538 ohne Unterbrechung an seiner heutigen Stelle hinter der Großen Kirche im reformatorischen Geist, was im protestantischen Unterrichtswesen einmalig ist. Diese Institution, die in ihrer Geschichte viel durchmachen musste, ist das Debrecener Reformierte Kolleg, in dem – wie auch in allen anderen kalvinistischen Institutionen üblich – Grund-, Mittel- und Hochschulunterricht versehen wurde. Die Bibliothek der Schule ist die größte kirchliche Sammlung Ungarns. Die Ausstellungen ihres Museums werden von vielen ungarischen und ausländischen Besuchern aufgesucht.

Bis 1715 durften nur Kalvinisten in der Stadt leben, bis ein kaiserlicher Erlass die Genehmigung der Ansiedlung von Katholiken erzwang. In dieser Zeit traf man oft die Bestrebung aus religiöser Sicht homogene Orten zu erschaffen. Sogar am Ende des 18. Jahrhunderts lebten immer noch nur wenige Andersgläubige in Debrecen. Diese Situation veränderte sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutend. Es ziehen nicht nur viele Kalvinisten, sondern auch viele Katholiken in die immer größer werdende Stadt. Außerdem kommen auch Lutheraner, Israeliten, Griechisch-Katholiken und auch Gläubige sonstiger freikirchlicher Konfessionen in die Stadt.

Debrecen ist heute nicht nur traditionell der Sitz des Bischofs der größten kalvinistischen Diözese, sondern ist seit 1993 auch Sitz des katholischen Bischofs von Debrecen-Nyíregyháza.

In der Region spielt auch das Hajdúdoroger griechisch-katholische Bistum eine wichtige Rolle. Diese Konfession umfasst diejenigen Griechisch-Orientalen die seit dem 17. Jahrhundert die Hoheit des römischen Papstes anerkennen.

Den Daten der Volkszählung von 2001 zufolge bekannten sich 135.855 Einwohner der insgesamt 211.034 Einwohner als zu einer Konfession gehörig. Davon sind ca. 60% Kalvinisten, 24% Katholiken, 13% Griechisch-Katholiken. Die restlichen 3% fallen auf die sonstigen Religionen.

Die religiöse Verteilung des Haiduckengebiets (Hajdúság) (Balmazújváros, Hajdúböszörmény, Hajdúhadház, Hajdúnánás, Hajdúszoboszló, Hajdúszovát, Vámospércs) zeigt mit der Ausnahme von Hajdúdorog ähnliche Verhältnisse. In der Baukunst der Region spielen die Denkmalkirchen der verschiedenen Religionen eine bestimmende Rolle, die ständig oder nach vorheriger Anmeldung besucht werden können.

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